Ich liebe meinen Schatz! Ich liebe ihn seit über 10 Jahren, wir leben seit 8 Jahren zusammen, kennen uns seit 16,5 Jahren und er ist sowohl meine erste als auch jetzt meine größte Liebe! Ich will ihn auch heiraten, das wollte ich immer schon. Aber da er bisher an seinem Lebensplan geklammert hatte und sich alles so ewig lang hinauszog, schien die Hochzeit immer unrealistischer und ich verlor mich in meinen Phantasien, die ja doch niemals wahr werden würden.
Doch wie ihr ja wisst, ist es doch wahr geworden, er will mich heiraten und das schon an unserem nächsten Jahrestag. Also haben wir begonnen, unsere Gedanken und Vorstellungen zu Papier zu bringen, haben über die unterschiedlichsten Themen gesprochen und dann schließlich unseren Plan an einen Profi abgegeben, der uns nun die Hochzeit organisiert.
Joa, so weit so gut. In dieser Phase hab ich mich sehr wohl gefühlt und war mir größtenteils auch immer sehr sicher. Doch nun wird es fix. Wir haben mit der Kirche und dem Pfarrer gesprochen, unsere Weddingplanerin hat Termine mit Floristen, Location, usw. ausgemacht und die Familie tratscht das Ereignis bereits herum.
Und dann kamen die Einladungskarten. Mit den Texten, den Worten und dann den Adressen sammeln wurde es irgendwie ernst. Wenn die Einladungen raus sind, sind weit über 100 Menschen informiert. All diese Menschen kennen dann den Ort und den Termin. Wir sind damit eine Verpflichtung eingegangen, an diesem Tag zu erscheinen und bitten all diese vielen Menschen ebenfalls zu kommen...
und auf einmal habe ich kalte Füße. Nicht im bildlichen Sinn, sondern wirklich. Bei dem Gedanken frieren auf einmal meine Hände, meine Nasenspitze wird eiskalt und meine Füße schwitzen kalt! Sie sind so eisig und doch feucht, ein Gefühl, das mir zugegeben fremd ist. Und jetzt weiß ich auch, was damit gemeint wird, die Braut hat kalte Füße...
aber darf ich kalte Füße haben? Es ist doch genau das, was ich immer wollte! Wollte ich das wirklich? Oder hab ich mich nur in eine Phantasiewelt verliebt, die für mich keine Gefahr bedeutete, weil es für mich ohnedies sicher war, dass es nie geschehen wird? Ähnlich wie bei einem Tattoo: Man freut sich darauf, malt sich die Positionen und das Bild aus. Man plant gedanklich den Tätowierer und sucht sich ein Datum und in all der Zeit gibt es nur ein Gefühl, die Freude. Doch dann auf einmal soll der Termin tatsächlich stattfinden, es ist nicht mehr nur ein schöner Gedanke, sondern der Schrecken der Realität holt mich ein.
Nein, ich bin mir sicher, ich will ihn heiraten! Ich bin mir nur nicht mehr so sicher, ob ich ihn wirklich so heiraten will, ob mir das ganze nicht ein wenig zu viel wird... vielleicht was es doch keine gute Idee, die ganze Familie und den Freundeskreis einzuladen, denn das macht mir Bauchweh...
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