Dass ich das mal machen muss, hätte ich mir nie im Traum gedacht. Nachdem der familiäre Streit nun endgültig eskaliert ist, habe ich mal bei einer Partei nachgefragt, ob sie es schaffen würden, den Streit einen Tag mal beiseite zu legen, um gemeinsam ein schönes Fest feiern zu können. Selbstverständlich hätte ich mit der Sitzordnung für einen weiten Abstand gesorgt und bei rund 100 Leuten wird sich ja wohl die Möglichkeit ergeben, einander aus dem Weg zu gehen.
Doch was ich als Antwort bekam, schoss tatsächlich jeden Vogel ab:
Man sei im Juni wahrscheinlich sehr beschäftigt, hätte viel zu tun, nein, nein es hänge nicht mit dem Familienstreit zusammen, man hätte nur viel um die Ohren. Eventuell würde man vielleicht zur Kirche vorbeischaun, aber wahrscheinlich eher nicht.
Nachdem ich das Gespräch mal kühl beendet habe, brach eine Sturzflut über mich herein. Nicht die Absage an sich, hat mich getroffen, natürlich kann nicht jeder geladene Gast auch tatsächlich kommen, aber die Art und Weise, wie ich abserviert wurde. Als wäre ich eine Ausstellung, die man sich nun doch nicht ansehen wolle, weil es doch nicht interessant klingt.
Für mich sind diese lieben Verwandten nun endgültig passé, ich bin zu tiefst verletzt und kann einfach nicht verstehen, wie sie die letzten knapp 30 Jahre einfach wegwerfen, zumal ich in die Sache ja nicht mal direkt involviert bin.
45 durchgeweinte Minuten später hab ich mich dann entschlossen, dass es wohl das beste sei und hab versucht meine Gedanken zu ordnen. Sehr hilfreich dabei waren dann einige liebe Menschen, die alle den selben Tonus angeschlagen haben:
Wenn ich es ihnen nicht wert bin, dass sie ihren Streit einen einzigen Tag mal ad acta legen, dann sind sie es nicht wert, bei meiner Hochzeit zu sein.
Und so hab ich dann einen Entschluss gefasst: Alle Störenfriede, jeder, der Unruhe stiftet und unser Fest der Liebe zu seinen privaten Zwist nutzen könnte, wird kurzerhand einfach ausgeladen. Und so hab ich gleich im Anschluss wieder zum Telefon gegriffen und den Verursacher des Disputs mal eben ausgeladen. Frecherweise bekam ich dann als Antwort, er wäre ohnedies nicht gekommen. Achso, dann hat er mich nur mal eben warten lassen, für ihn reservieren, decken, usw. aber gekommen wäre er nicht?
Nein danke, dieser Platz bleibt nicht leer, sondern die Tischordnung wird einfach so umgestellt, dass es ohne ihn passt! Bleibt wenigstens mehr Platz für die für meinen Geschmack ohnehin zu kleine Tanzfläche!
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