Donnerstag, 6. Februar 2014

Die flache Serviette

Du meine Güte, was täte ich nur ohne meiner Weddingplannerin, ich wär komplett aufgeschmissen. Ich bin eh schon im Luxus, kaum etwas organisieren zu müssen. Jedoch was natürlich immer noch bei uns liegt ist, sind die Entscheidungen zu sämtlichen Vorschlägen. Doch ich muss gestehen, dass mir dies teilweise sogar schon zu viel wird.
Aus privaten Gründen bin ich momentan nicht sehr belastbar und hab auch so meine Probleme, Entscheidungen zu fällen. Erfreulicherweise habe ich einen entscheidungsfreudigen Partner an meiner Seite, der meine Hilflosigkeit nicht nur erkannt hat, sondern sofort eingreift, wenn ich ansteh. Doch nicht immer schafft er es rechtzeitig, also praktisch bevor ich einen Blödsinn daherred. Bei einem Treffen mussten die letzten Schliffe zu unserer Festtafel geklärt werden. Eine Frage war auch die, nach der Serviettenfaltform. Mal ernsthaft, als ob mich das interessieren würde. Servietten sind für mich praktisch anzusehen und ich hätte niemals gedacht, dass ich mal gefragt werde, welche Form ich mir bei diesem Teil vorstelle, das zum Mundabwischen und Kleid vor Soßenkleckereien schützen da ist. Meine Hilflosigkeit haben anscheinend eh alle erkannt, denn sofort schaltete sich die Weddingplannerin ein und erklärt, dass aufgrund der Tischdeko flache Servietten sinnvoller wären.
Phu, gut gerettet, danke an meinen Schutzengel, der mich die Hochzeit über begleitet. Doch während meine Gedanken wieder abschweiften merkte ich auf einmal wie Servietten am Tisch unterschiedlich gefalten wurden, um sie mir zu präsentieren.
Nett lächeln und nicken, das ist nie verkehrt. Doch halt, da kam eine Frage und die galt mir. Ein verzweifelter Blick zu meinem Schatz, der hat anscheinend schon was dazu gesagt. Ich glaub jetzt muss ich was sagen: Es kommt die Frage auf mich zu Tasche oder Spitz und alles, was mir spontan einfällt ist ein peinliches
"Ich dachte, wir haben uns eh schon auf die flache Serviette geeinigt?"
Na super, damit hab ich den Bock abgeschossen... Es hat eine hundertstel Sekunde gedauert bis ich verstanden habe, dass ich nun die Auswahl zwischen unterschiedlichen flachen Serviettenfalttechniken aussuchen musste und in diesem Moment fühlte ich mich so hilflos, denn irgendwie wollte ich so was nicht entscheiden.
Zum einen interessiert es mich nicht und zum anderen merke ich die letzten 6 Monate, langsam hab ich bei jedem Handgriff das Gefühl was Falsches zu machen. Nicht für mich, nicht für meinen Liebsten, ja nicht mal für meine Weddingplannerin. Sondern für all die Gäste auf der Feier, denn vielleicht wollen die ja lieber zu Taschen gefaltene Servietten, als die Spitzrollen, die ich nun ausgesucht habe...

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